Saarland: Was früher im Verborgenen geschah, spielt sich heute zunehmend öffentlich ab – und wird dabei immer jünger: Im Saarland häufen sich rechtsextreme Vorfälle, begangen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Die Polizei registriert eine alarmierende Zunahme solcher Taten, Beratungsstellen schlagen bereits bei Grundschülern Alarm.
Ob Hakenkreuz-Schmierereien an einer Moschee in Sulzbach, rassistische Sticker in Dillingen oder rechtsextreme Parolen in St. Wendel – die Zahl der politisch motivierten Straftaten mit rechtem Hintergrund steigt. Besonders beunruhigend: Die Täter sind oft erst zwischen 14 und 20 Jahre alt. Innerhalb eines Jahres hat sich die Zahl der erfassten jugendlichen Tatverdächtigen im Saarland beinahe verdoppelt.
Parallel beobachten Experten eine wachsende Radikalisierung über soziale Netzwerke. TikTok und Instagram spielen eine zentrale Rolle, wenn es darum geht, rechte Inhalte niedrigschwellig zu verbreiten. „Kinder konsumieren das täglich – irgendwann wird es normal“, warnt das Adolf-Bender-Zentrum aus St. Wendel. Lehrer berichten inzwischen sogar von rassistischen Beleidigungen auf dem Schulhof.
Auch Gruppierungen mit eindeutig extremistischem Profil treten im Saarland zunehmend in Erscheinung. Über ihre Kanäle verbreiten sie rechtsextreme Inhalte, mobilisieren Gleichgesinnte und zeigen Präsenz bei Demonstrationen – mal gegen den CSD in Saarbrücken, mal Seite an Seite mit Neonazis auf Märschen in anderen Bundesländern. Die Sicherheitsbehörden nehmen diese Entwicklung ernst. Im Visier steht eine kleine, aber aktive Szene – jung, digital vernetzt, provokant sichtbar. Wie sich die Lage weiterentwickelt, hängt auch davon ab, wie entschieden Gesellschaft, Schulen und Justiz auf die Radikalisierung von innen reagieren.