Mordprozess um Simon Bohr: Die grausigen Details der Anklage

Saarbrücken/Völklingen: Mit erschreckenden Details ist der Prozess um die tödlichen Schüsse auf den Polizeibeamten Simon Bohr gestartet. Oberstaatsanwalt Christian Nassiri verliest kurz nach 9.30 in Saal 38, dem größten des Landgerichts, die seitenlange Anklage die aus drei Punkten besteht. Vor dem Gericht haben die ersten Zuschauer schon seit 8 Uhr am Morgen ausgeharrt. Doch nur etwa 100 von ihnen passen in den altehrwürdigen Saal.

Unter den ersten, die im Zuschauerraum Platz nehmen, sind ehemalige Kollegen von Simon Bohr aus seiner Dienststelle in Völklingen, die am Tatgeschehen nicht beteiligt gewesen sind. Den Ablauf des Geschehens am 21. August schildert die Anklage so: Ahmet G. greift sich an diesemTag nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft zuhause ein stumpfes Messer, Aufschrift „Berndorf rostfrei“. Außerdem eine schwarze Boxerschorts. Dann geht er zu Fuß aus der Wohnung in der Innenstadt Richtung Fürstenhausen. Sein Plan: Die Aral-Tankstelle an der Karolingerbrücke überfallen.

Dort angekommen zieht er sich die Boxershorts als Maskierung über den Kopf und fordert mit dem Messer in der Hand Bargeld. Er macht 580 Euro Beute, steckt sie in den Hosenbund und flüchtet. Er kommt noch durch eine dunkle Bahnunterführung bis zum Stadtbad, bevor ihn die Polizei stellt. Als ein Polizeianwärter sich auf ihn stürzt, kann Ahmet G. ihm die Dienstwaffe entreißen. Marke Heckler & Koch, Typ SFP9, 17 Patronen vom Kaliber 9 Millimeter. Um 18.05 Uhr und 42 Sekunden schießt Ahmt G. etwa fünf Mal auf Simon Bohr und den Polizeianwärter, dem eine kugelsichere Weste das Leben rettet. Trotzdem geht der Polizeischüler vor Schmerzen zu Boden, ein Augenzeuge zieht ihn zur Seite. Auch Simon Bohr geht getroffen zu Boden. Jetzt wäre der richtige Moment für Ahmet G., unerkannt zu flüchten. Doch er entscheidet sich anders.

Er geht auf den wehrlosen Beamten zu und gibt aus nächster Nähe mehrere Schüsse ab. Gezielt auf die Körperstellen, die nicht von einer Weste geschützt sind. Den letzten Schuss bekommt der Polizist mit fast auf den Kopf aufgesetzter Waffe ab. Um 19.09 Uhr müssen die Notfallmediziner den Kampf um Simon Bohrs Leben schließlich aufgeben. Soweit die bislang noch nicht bewiesenen Vorwürfe der Staatsanwaltschaft, von denen die Anklagebehörde das Gericht  im Laufe des Prozesses überzeugen will. Ahmet G.s Anwalt hat angekündigt, eine Erklärung zum Geschehen abzugeben. Bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung gilt der Angeklagte als unschuldig.