„Er hat sich nicht mehr bewegt“: Polizeischüler im Zeugenstand

Saarbrücken/Völklingen: Im Mordprozess um Simon Bohr wird der 20-jährige Polizeischüler, mit dessen Waffe Ahmet G. schoss, per Videoschalte von einem Nachbargebäude aus vernommen. Im Saal sitzen seine Eltern. Der junge Mann ist auch heute noch als Kommissaranwärter bei der Polizeiinspektion Völklingen tätig. Seit 1. Juni 2025 macht er dort sein Praktikum, war noch nie bei einer Täterfestnahme dabei. Er berichtet: „Ich hatte Mittagschicht, bin zur Dienststelle und hab mich ganz normal umgezogen. Ich habe meine Waffe aus dem Waffenschrank genommen, ins Holster getan und verschlossen. Ich gucke immer nochmal extra, dass es zu ist.“ Bis dahin hat er es im Dienst noch nie geöffnet. „Es war warm und sonnig, es war viel los. Ich war mit Simon Bohr und einem weiteren Kollegen in einem Mercedes Vito in Geislautern unterwegs, als es einen Funkspruch gab: Raubüberfall auf die Aral-Tankstelle. Simon Bohr fuhr, ich saß hinten. Wir haben erst an der Unterführung geschaut, dann sind wir vor das Amtsgericht gefahren und haben dort geparkt, weil eine Baustelle im Weg war. Simon Bohr und ich sind ausgestiegen, der dritte Kollege konnte aufgrund des Verkehrs zunächst nicht raus. Dann haben wir den Täter gesehen. Ein Zeuge zeigte auf ihn, der Angeklagte rannte los. Kollege Bohr und ich haben gerufen „Stehenbleiben, Polizei“, doch er hat nich  reagiert.

Ich hab ihn eingeholt und bin auf ihn drauf. Habe versucht, ihn irgendwo am Oberkörper festzuhalten. Dann kam es zu einem Gerangel. Simon Bohr stand in einiger Entfernung, ich habe den Taser in seiner Hand gesehen und bin vom Täter weg. Das nächste, was ich weiß, ist, dass er mich von sich weggeschubst. Ich hab nach hinten geguckt und dann kam der erste Schuss auf Kollege Bohr, danach der nächste auf mich. Ich bin durch den Schuss nach vorne geflogen, lag mit dem Bauch auf dem Boden. Als ich mich umgedreht hab, stand eine Person über mir, die mich rausgezogen hat. Während ich weggezogen wurde, hab ich gesehen, wie der Täter sich über Herrn Bohr gestellt und ein paar Mal geschossen hat.“ Über seinen Kollegen sagt er:

„Er hat sich nicht mehr bewegt. Der Angeklagte stand da entschlossen. Nach etwa fünf Sekunden wurde ich hinter ein Auto gezogen und konnte nichts mehr sehen. Dort hab ich gemerkt: Die Waffe ist weg. Ich bin aufgestanden und wieder Richtung Stadtbad, wo alles passierte. Da kam schon das zweite Kommando, der Täter war weg. Ein Augenzeuge fragte den Kollegen Bohr, ob es ihm gut geht, da konnte er noch antworten.“ Während der gesamten Aussage schaut der angeklagte Ahmet G. unter sich, verzieht keine Mine.