
Saarbrücken – Wer seinen Heizöltank vor dem Winter noch füllen muss, erlebt derzeit eine böse Überraschung. Die Preise sind innerhalb eines Jahres regelrecht explodiert. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes liegt Heizöl aktuell 74,9 Prozent über dem Vorjahresniveau. Für Haushalte, die mehrere Tausend Liter auf einmal bestellen müssen, geht es damit schnell um mehrere Tausend Euro zusätzlich.
Wie drastisch die Belastung inzwischen ist, zeigt ein Blick auf die aktuellen Preise im Saarland. Am Montagmorgen wurden für eine Abnahme von 3.000 Litern im Landesdurchschnitt rund 169 Euro je 100 Liter aufgerufen. Eine komplette Lieferung von 3.000 Litern kostet damit rechnerisch etwa 5.070 Euro. Der tatsächliche Preis hängt unter anderem von Wohnort, Bestellmenge, Anbieter und Lieferbedingungen ab.
Noch deutlicher wird die Entwicklung beim Vergleich mit dem vergangenen Jahr. Bundesweit kosteten 100 Liter Heizöl in der Woche ab dem 12. Oktober im Durchschnitt 169,81 Euro. Ein Jahr zuvor waren es weniger als 93 Euro. Damit gehört Heizöl inzwischen wieder zu den teuersten Arten, ein Haus durch den Winter zu bringen.
Für das Saarland ist diese Entwicklung von besonderer Bedeutung. Denn hier spielt Heizöl noch immer eine wesentlich größere Rolle als im Bundesdurchschnitt. Nach den Ergebnissen des Zensus 2022 werden 29 Prozent der Wohnungen im Saarland mit Öl beheizt. Deutschlandweit sind es rund 19 Prozent. Nur wenige Bundesländer weisen einen ähnlich hohen Anteil auf.
Hunderttausende Saarländer leben damit in Wohnungen und Häusern, deren Heizkosten unmittelbar vom Ölpreis abhängen. Besonders problematisch: Anders als beim monatlichen Abschlag für Strom oder Gas kommt die Rechnung häufig auf einen Schlag. Wer seinen Tank mit 2.000 oder 3.000 Litern auffüllen muss, braucht derzeit mehrere Tausend Euro.
Verbraucherschutzministerin Petra Berg brachte das Problem im Bundesrat auf den Punkt: „Der Preisschock kommt über Nacht. Eine neue Heizung nicht.“ Gerade im Saarland würden viele Menschen doppelt getroffen – beim Tanken und beim Heizen.
Dabei verschwindet die Ölheizung zumindest aus saarländischen Neubauten inzwischen vollständig. 2025 wurde im Saarland erstmals kein einziges neu fertiggestelltes Wohngebäude mehr mit Öl als primärer Heizenergie beheizt. Das zeigen die aktuellen Daten der Baufertigstellungsstatistik.
Stattdessen dominiert die Wärmepumpe: Bei mehr als 88 Prozent der 2025 fertiggestellten Wohngebäude im Saarland war sie die primäre Heizenergie. Damit hatte das Saarland sogar den höchsten Wärmepumpenanteil aller Bundesländer. Auch Gas hat im Neubau massiv an Bedeutung verloren.
Das hilft den Besitzern älterer Häuser allerdings wenig. Gerade das Saarland besitzt einen großen Bestand an älteren Ein- und Zweifamilienhäusern, in denen weiterhin Ölheizungen laufen. Ein kurzfristiger Wechsel des kompletten Heizsystems ist für viele Eigentümer technisch oder finanziell kaum möglich.
Die Landesregierung will deshalb eine Entlastung nach dem Vorbild der Maßnahmen bei Benzin und Diesel erreichen. Gemeinsam mit Mecklenburg-Vorpommern brachte das Saarland im Bundesrat eine Initiative auf den Weg. Gefordert werden gezielte finanzielle Hilfen für besonders belastete Haushalte mit Ölheizung.
Denkbar sind Direktauszahlungen insbesondere an Geringverdiener, Menschen mit niedrigem Einkommen sowie Rentnerinnen und Rentner. Während Autofahrer bereits von einem befristeten Tankrabatt profitieren, gibt es bislang keine vergleichbare Entlastung für Heizöl.
Eine Entscheidung ist allerdings noch nicht gefallen. Der Bundesrat verwies den gemeinsamen Antrag zunächst an die zuständigen Ausschüsse. Wann dort über konkrete Hilfen entschieden wird, ist derzeit offen.
Für viele saarländische Haushalte dürfte die Frage damit ausgerechnet zum Beginn der Heizperiode immer drängender werden: Tank jetzt füllen – oder darauf hoffen, dass Heizöl wieder deutlich billiger wird? JETZT den neuen Blaulichtreport Saarland WhatsApp-Kanal abonnieren und IMMER DIREKT auf dem Laufenden bleiben (hier klicken)


