Saarbrückens OB lässt die Hosen runter – zumindest an der Saar

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Saarbrücken – (Von unserem Reporter Thorsten Kremers – Bildergalerie am Ende des Beitrags) Warnweste an, Hose aus und Farbrolle in die Hand: Am Saarufer wird Saarbrückens Oberbürgermeister Uwe Conradt derzeit ziemlich unverblümt aufs Korn genommen.

 

Ein großflächiges Graffiti unterhalb der Stadtautobahn zeigt den Rathauschef mit nacktem Hintern beim grauen Überstreichen einer Wand. Über der Szene steht unübersehbar: „Make SB Grey Again“ – eine Anspielung auf Donald Trumps bekannten Slogan „Make America Great Again“.

Der Künstler hat seine Karikatur mit einigen bissigen Details versehen. Conradt trägt eine Warnweste, hält die Farbrolle über den Kopf und wird durch einen Pfeil zum „All City King“ erklärt. Rundherum dominiert ausgerechnet jene Farbe, um die sich die ganze Geschichte dreht: Grau. Selbst ein großes Graffiti im Vordergrund wurde passend zum Motiv überwiegend in Grautönen gestaltet.

Nur wenige Meter weiter bekommt der Oberbürgermeister einen zweiten Auftritt. Diesmal erscheint Conradt als Herrscher vergangener Zeiten: mit weißer Lockenperücke, großer Halskrause und einem breiten Grinsen. Daneben steht mehrfach „CDU Grau“ geschrieben – ein weiterer Seitenhieb auf Conradt, der der CDU angehört. Aus der Kritik an einer städtischen Entscheidung wird damit ganz bewusst politische Satire.

Hinter der Aktion steckt scheinbar ein Konflikt, der bereits rund ein Jahr zurückliegt. Vor den Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit 2025 in Saarbrücken wurden Graffiti am Saarufer mit grauer Farbe überstrichen. In der Sprayerszene sorgte das für erheblichen Unmut. Denn auf den Flächen befanden sich nicht nur einfache Schriftzüge, sondern auch aufwendige Arbeiten.

Der Künstler hinter den neuen Bildern möchte anonym bleiben. Gegenüber der Saarbrücker Zeitung erklärte er die Gründe für seine Aktion und machte deutlich, dass die damalige Übermalung der Werke bei ihm großen Ärger ausgelöst habe. Ein Jahr später verarbeitet er diesen nun mit Spraydose und reichlich Spott. Seine Botschaft ist kaum zu übersehen: Eine Stadt, die bunte Kunst grau übermalt, bekommt ihren Oberbürgermeister eben selbst als grauen Anstreicher zurück.

Nach Veröffentlichung des Artikels hat sich der Saarbrücker Oberbürgermeister Uwe Conradt über seinen Pressesprecher an unsere Redaktion gewandt und darauf hingewiesen, dass seine Position sowie die Haltung der Landeshauptstadt bislang nicht dargestellt worden seien. Diesen Hinweis greifen wir im Sinne einer ausgewogenen Berichterstattung auf und haben den Artikel entsprechend ergänzt. Conradt betont, Kritik und Satire gehörten zur Demokratie; die gegen ihn gerichteten Karikaturen nehme er nach eigener Aussage mit Humor. Gleichzeitig unterscheidet die Stadt ausdrücklich zwischen legaler Graffiti- und Street-Art und unerlaubten Schmierereien beziehungsweise Sachbeschädigungen. Saarbrücken stelle seit vielen Jahren Flächen für legale Graffiti-Kunst zur Verfügung und ermögliche künstlerische Gestaltungen im öffentlichen Raum. Gegen illegale Schmierereien und Sachbeschädigungen wolle die Landeshauptstadt dagegen konsequent vorgehen. Ziel sei ein gepflegtes und zugleich buntes und lebendiges Stadtbild.

Die Landeshauptstadt widerspricht zudem der ursprünglichen Darstellung in unserem Artikel, wonach im Vorfeld des Tags der Deutschen Einheit 2025 auch legal entstandene Graffiti auf dafür freigegebenen Flächen überstrichen worden seien. Nach Angaben der Stadt wurden im Rahmen der damaligen Reinigungsmaßnahmen keine legalen Graffitiflächen übermalt. Wir haben die betreffende Passage auf Wunsch der Landeshauptstadt entsprechend korrigiert. Ob tatsächlich in keinem Einzelfall eine freigegebene Fläche betroffen war, können wir redaktionell allerdings nicht unabhängig verifizieren; uns liegen derzeit jedoch keine belastbaren Belege vor, die der Darstellung der Stadt widersprechen.

So ist unter der Saarbrücker Stadtautobahn aus einer alten Auseinandersetzung inzwischen ein neues Kunstwerk entstanden – und aus dem Oberbürgermeister gleich zweimal eine Karikatur. Besonders viel Interpretationsspielraum lässt der Künstler dabei nicht: „Make Saarbrücken Grey Again“, „CDU Grau“, nackter Hintern und Farbrolle – deutlicher kann ein Graffiti seinen politischen Seitenhieb kaum auf die Wand bringen.

Titelbild: Thorsten Kremers

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Dieser Beitrag wird bereitgestellt vom Medienverbund Saarland