
Saarbrücken. Beim Saarländischen Rundfunk fiel am Montagmorgen das gewohnte Radioprogramm zeitweise aus. Auch am heutigen Dienstag berichten Hörer erneut von fehlenden Nachrichten und Moderationen. Foto: ver.di Saar-Trier
Was zunächst wie eine technische Panne wirken konnte, war am Montag ein Warnstreik. ver.di Saar Trier bestätigte die Aktion auf Instagram. Auf mehreren Wellen lief demnach zeitweise fast nur Musik, für wichtige Informationen wurde unter anderem auf SR info verwiesen. Am Dienstagmorgen scheint sich das Bild zu wiederholen: In einschlägigen Radioforen berichten Hörer seit 5 Uhr erneut von fehlender Moderation und ausgefallenen Nachrichten. Eine offizielle Information oder Stellungnahme des Saarländischen Rundfunks zu den aktuellen Streikmaßnahmen liegt unserer Redaktion bislang nicht vor. Auch auf den öffentlich zugänglichen Informationskanälen des SR findet sich dazu derzeit keine entsprechende Mitteilung. Breaking News Saarland Leser berichten aber von „KI-generierten“ Durchsagen im Programm, die auf die Steiks hingewiesen haben sollen.
Das Streikrecht gilt selbstverständlich auch für Beschäftigte des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Trotzdem stellt sich die Frage, wie nachvollziehbar weitere Gehaltsforderungen gerade beim SR sind. Denn festangestellte Redakteure werden dort laut veröffentlichtem Vergütungssystem in die Gruppen 8 bis 12 eingeordnet. In der veröffentlichten Tabelle mit Stand Mai 2023 entsprechen diese Gruppen je nach Einstufung und Berufserfahrung monatlich zwischen 4.019 und 9.525 Euro brutto – hinzu können weitere tarifliche Leistungen kommen.
Zum Vergleich: Der bundesweite Tarif für Redakteure an Tageszeitungen sieht seit Februar 2026 für Redakteure mit Regelqualifikation je nach Berufserfahrung rund 3.894 bis 5.529 Euro brutto im Monat vor. Und längst nicht jedes private Medienunternehmen zahlt überhaupt nach Tarif. Ein direkter Vergleich ist wegen unterschiedlicher Aufgaben, Arbeitszeiten und Verantwortungsbereiche zwar nur eingeschränkt möglich. Dennoch zeigt er: Festangestellte SR-Redakteure können insbesondere in höheren Vergütungsgruppen deutlich über dem Tarifniveau klassischer Tageszeitungs- oder Rundfunkjournalisten liegen.
Brisant wird die Tarifauseinandersetzung auch angesichts der wirtschaftlichen Lage des Senders. Der überwiegend aus Rundfunkbeiträgen und dem ARD-Finanzausgleich finanzierte SR meldete für 2025 ein Liquiditätsdefizit von 4,5 Millionen Euro. Zwischen 2025 und 2028 sollen die Ausgaben insgesamt um 22 Millionen Euro sinken. Allerdings wäre es falsch, deshalb alle Streikenden als Spitzenverdiener darzustellen: Beim SR arbeiten neben 608 Angestellten auch 226 sogenannte feste Freie sowie weitere Honorarkräfte. Nicht jeder Streikende ist Redakteur, und gerade freie Medienschaffende können wirtschaftlich deutlich schlechter dastehen.
Am Ende trifft der Warnstreik jedoch unmittelbar die Hörer, die den öffentlich-rechtlichen Rundfunk über den Rundfunkbeitrag mitfinanzieren. Gerade deshalb müssen Gewerkschaften nachvollziehbar erklären, welche konkreten Forderungen hinter den Programmausfällen stehen. ver.di hatte für Dienstag eine weitere Verhandlungsrunde angekündigt. Ob die erneuten Ausfälle am Dienstagmorgen tatsächlich Teil einer weiteren Streikaktion sind, war zunächst nicht offiziell bestätigt – vom SR selbst gibt es dazu bislang keine öffentlich auffindbare Stellungnahme.

