Völklingen/Saarbrücken: Im Polizistenmord-Prozess um den getöteten Beamten Simon Bohr hat am heutigen Freitag sein Streifenpartner ausgesagt. Er ist am Tag der Tat mit Bohr und dem Polizeischüler, aus dessen Waffe später gefeuert wurde, auf Streife. Bohr sitzt am Steuer, daneben der 53-jährige Polizeioberkommissar, der junge Polizeischüler sitzt hinten. Die drei haben gerade einen Einsatz im Völklinger Stadtteil Geislautern beendet, als über Funk die Meldung reinkommt: Bewaffneter Raubüberfall auf Tankstelle, Täter hat eine Unterhose auf dem Kopf und ein Messer. Als der Streifenwagen kurze Zeit später vor Ort eintrifft, ist der letzte Stand, dass der Flüchtige durch eine Fußgängerunterführung gelaufen ist.
Der Polizeioberkommissar: „Wir haben gedreht, sind Richtung Amtsgericht gefahren und haben dort den Täter gesehen. Erst ist er gerannt, aber als er uns bemerkt hat, ist er ganz normal gegangen.“ Als er bemerkt habe, dass die Beamten seinetwegen hier sind, habe er sich umgedreht und sei wieder in Richtung Stadtbad geflüchtet. Simon Bohr fährt vor das Amtsgericht, parkt das Polizeiauto entgegengesetzt der Fahrtrichtung auf der Straße. Dann springen er und der Polizeischüler raus. Der dienstälteste Beamte kann seine Tür nicht öffnen, weil ihm mehrere Autos entgegenkommen.
Der 53-Jährige entscheidet, einen anderen Weg als der Räuber und seine Kollegen zu nehmen: Er läuft rechts am Amtsgericht vorbei die Hohenzollernstraße hinauf, will dann irgendwann nach links und dem Täter den Weg abschneiden. Doch zwischen den Gebäuden kommt man mittlerweile nicht mehr durch, es gibt auch keinen Sichtkontakt. Deshalb muss der Polizist weiterlaufen. Da hört er zwei Schüsse: „Ich dachte erst, Simon habe schießen müssen. Dann habe ich eine ganze Abfolge von Schüssen gehört, worauf ich mir keinen Reim machen konnte.“
Als Nächstes sieht er den Täter, der parallel zu ihm im Bereich hinter dem Stadtbad läuft und der plötzlich zusammensackt. Da ist Simon Bohr schon von mehreren Kugeln getroffen. Er trifft auf Burbacher Kollegen, die ihm sagen, dass einer von ihnen getroffen worden ist. Dem Beamten kommen die Tränen: „Da habe ich zum ersten Mal realisiert, dass der Täter zurückgeschossen hat.“ Der 53-Jährige geht zu seinem Streifenpartner, hält seine Hand, redet ihm beruhigend zu. Bis heute geht es ihm schlecht. Er fragt sich ständig, „was man hätte anders machen können, um, das Ganze zu verhindern.“ Dann bricht er wieder in Tränen aus: „Das war ein wirklich guter Kollege.“
