Prozess um erschossenen Polizeibeamten hat begonnen

Saarbrücken/Völklingen: Was für eine tapfere Frau! Zum Prozessauftakt wegen Mordes am Polizeibeamten Simon Bohr am heutigen Mittwoch vor dem Landgericht Saarbrücken erscheint die Witwe des erschossenen Polizisten selbst, statt bloß ihre Nebenkläger-Anwältin Rosetta Puma zu schicken. Sie ist ausdrücklich bereit, sich der Öffentlichkeit zu zeigen, wie ihre Anwältin erklärt. Anders der Angeklagte: Michael Rehberger, Verteidiger des Beschuldigten, betont vor der Verhandlung, dass sein Mandant nicht in den Medien erkannt werden soll. Ahmet G. selbst kommt ohne Handschellen oder Fußfesseln, dafür mit einer schwarzen Mappe vor dem Gesicht in den Gerichtssaal. Nach Beginn des Prozesses senkt er seinen Blick, schaut nur ganz selten auf. Selbst beim Sprechen, etwa beim Erzählen aus seinem Leben, schaut er das Gericht nicht an. Simon Bohrs Witwe dagegen, die von einer Opferbetreuerin begleitet wird, schaut dem Angeklagten fest ins Gesicht. Sie erträgt, was Oberstaatsanwalt Christian Nassiri aus der Anklageschrift vorliest. Als es dabei um die letzten Momente ihres Mannes geht, muss sie kurz weinen.
Der Angeklagte wirkt dagegen völlig unberührt. Auch, wenn er erzählt, wirkt er teilweise abwesend. Obwohl er akzentfrei Deutsch spricht, hat Ahmet G. immer wieder Probleme, selbst einfachste Sachverhalte zu schildern. Berichtet etwa, dass er mit seiner Familie in einer Wohnung zur Miete lebt und vergisst dabei zu erwähnen, dass das komplette Mietshaus seinem Bruder gehört. Auch, als es um die Behandlung seiner psychischen Probleme geht, gerät der 19-Jährige immer wieder ins Stocken. Zu den Tatvorwürfen selbst will er sich nicht äußern. Sein Anwalt kündigt an, eine Erklärung dazu abzugeben. Am heutigen ersten Prozesstag ist die Vernehmung mehrerer Zeugen geplant, insgesamt sind zahlreiche Prozesstage bis Mitte April vorgesehen.