Sie blieb immer bei ihm: Bewegende Aussage im Polizistenmord-Prozess

Saarbrücken/Völklingen: Ihr ist es zu verdanken, dass Simon Bohr in seinen letzten Momenten nicht alleine sein musste. Bewegende Zeugenaussage im Polizistenmord-Prozess am heutigen Donnerstag. Die 30-Jährige Polizeikommissarin hat am Tag der Tat Mittagsschicht. Ihr Kommando rückt kurzzeitig zur Dienststelle in der Cloosstraße ein, als über Funk der Raubüberfall reinkommt. Eine Kollegin sagt: „Ihr müsst sofort raus.“

Sie fahren los. Die Zeugin: „Aufgrund der Tatortnähe sind wir nur mit Blaulicht gefahren, nicht mit Martinshorn. Dann hieß es, dass der Täter flüchtig ist.“ Auf der Anfahrt hören sie im Funk noch einmal Simon Bohrs Stimme. Sie kommen in den Bereich des Stadtbads, hören schon Schüsse. Die Stimme der Beamtin wird brüchig, sie bricht in Tränen aus. „Ich konnte dann durch die Windschutzscheibe sehen… Ich wusste zu diesem Zeitpunkt, dass es ein Kollege war. Ich wusste aber nicht, wer es war.“ Ein Beamter liegt im Bereich eines Spielplatzes leblos am Boden.

„Ungefähr zwei, drei Meter nebenan sah ich den Täter, der nochmal zu ihm hin ist und geschossen hat.“ Sehr ruhig und gelassen sei er da hingegangen. Von Angst oder Panik sei nichts zu sehen gewesen, kühl sei er gewesen. „Warum ist er nochmal hin zu ihm? Warum ist er nicht einfach weggelaufen?“ Sie will den Angreifer stoppen, auf ihn feuern. „Aber ich hatte zu diesem Zeitpunkt Kinder in meinem Schussfeld, die panisch über den Spielplatz gelaufen sind und versucht haben, über einen Zaun zu kommen. Schüsse sind dauerhaft weitergegangen.“ Die Zeugin geht schließlich in Richtung ihres Kollegen: „Ich bin dann über diesen schmalen Eingang und hab festgestellt, dass es der Simon ist. Ich hab gewusst, dass ich ihn da nicht alleine liegen lassen kann. Trotz des andauernden Schusswechsels geht sie zu dem Verletzten, kniet sich neben ihn. „Ich hab seine Hand gehalten und hab gesagt, dass alles gut wird. Ich hab immer wieder gesagt, dass alles gut wird. Die Schüsse sind die ganze Zeit weitergegangen.“

Der Zustand des Verletzten verschlechtert sich immer weiter. Hinter ihr schlägt eine Kugel mit lautem Knall in einem Gebäude ein. Ein Kollege der Bundespolizei kommt hinzu und kümmert sich ebenfalls um den schwer verletzten Simon Bohr. Sie ziehen ihm die Schutzweste aus, sehen zahlreiche Schussverletzungen. Viele Passanten stehen am Zaun und schauen zu, aber niemand schafft es, einen Verbandskasten zu bringen. Dann endlich kommt der Rettungsdienst. Die Beamtin bleibt so lange bei Simon, bis ein Kollege sie wegholt. Im Hof der Dienststelle hört sie spätabends von Innenminister Reinhold Jost, dass Simon Bohr verstorben ist. „Ich habe bis zum Schluss gehofft, dass er es schafft“, sagt die 30-Jährige unter Tränen. Auch im Gerichtssaal haben etliche Memschen Tränen in den Augen. Nur Ahmet G. schaut die ganze Zeit nur unter sich. Ihren Job word sie wohl nicht mehr machen können: „Nicht nur Simons Leben ist zerstört worden, sondern auch meins.“