Er zog Polizist aus dem Kugelhagel: Mutiger Augenzeuge sagt aus

Saarbrücken/Völklingen: Er hat wohl verhindert, dass an diesem Tag ein weiterer Polizist sterben musste. Vor dem Landgericht hat am heutigen Freitag der 38-jährige Mohamed Ali im Polizistenmord-Prozess um Simon Bohr ausgesagt. Er ist der erste Augenzeuge der Tat im Gerichtssaal, der kein Polizist ist und führt zur Tatzeit einen Obst- und Gemüseladen in der Karl-Janssen-Straße. Der 38-Jährige ist mit seiner Frau im Geschäft, als das Unheil seinen Lauf nimmt.

„Auf einmal hat draußen jemand geschrien. Ich bin direkt rausgegangen und hab dann gesehen, wie ein junger Mann wegrennt und zwei Polizisten hinter ihm laufen. Ein Polizist hat versucht, ihn festzuhalten und dann sind beide zu Boden gegangen. Die Polizisten haben versucht, diesen jungen Mann festzuhalten. Es hat aber nicht geklappt und dann ist er aufgestanden. Als er gestanden ist, hatte er eine Pistole in der Hand. Simon hat dann den Taser in seine Richtung geschossen, aber es gab keine Wirkung. Simon hat versucht, ihm die Pistole wieder wegzunehmen.

Konnte er aber nicht. Da hat der junge Mann zweimal auf ihn geschossen. In diesem Moment ist Simon zu Boden gegangen. Der andere Polizist ist weggelaufen, der Täter hat auch in dessen Richtung mehrfach geschossen. Ungefähr fünf- bis sechsmal. Er hat ihn einmal getroffen, dann ist dieser Polizist auf den Boden gefallen und mit dem Kopf auf den Bürgersteig gestoßen. Als mit der Pistole geschossen wurde, bin ich zurück ins Geschäft gegangen und hab nur mit dem Kopf rausgeschaut.“ Von dort beobachtet er die nächsten grausamen Sekunden: „Als beide Polizisten auf dem Boden waren, wollte der Täter erst wegrennen. Der ist zwei, drei Meter weggegangen und ist dann wieder zurück. Dann hat er zwei, dreimal geschossen und hat [Simon Bohr] am Kopf getroffen. Als [der Täter] in Richtung Rasthaus gelaufen ist, dachte ich mir: Vielleicht helfe ich den Polizisten. Ich habe dann den Jüngeren weggezogen und hinter ein Auto gebracht.“ Nachdem der Polizeischüler zu sich kommt, geht Ali zu dessen Kollegen:

„Ich war dann bei Simon und habe erkannt, dass ich ihm nicht weiterhelfen kann.“ Trotz seiner Heldentat versucht der Mann sogar noch, sich zu erklären: „Ich möchte nochmal betonen, dass alles innerhalb weniger Sekunden passiert ist. Wir konnten nichts unternehmen.“ Den Tatort meidet der ehemalige Ladenbesitzer mittlerweile. Er arbeitet jetzt in einem großen Industriekonzern.