
Saarbrücken. Am zweiten Morgen in Folge fehlten beim Saarländischen Rundfunk zeitweise Nachrichten und Moderationen (Blaulichtreport Saarland hatte heute Morgen an dieser Stelle als erstes davon berichtet). Jetzt ist auch klar, wofür ver.di kämpft: Die Gewerkschaft fordert sieben Prozent mehr Gehalt, mindestens aber 300 Euro zusätzlich im Monat.
Für Auszubildende sollen nach Angaben von ver.di monatlich 200 Euro hinzukommen. Außerdem fordert die Gewerkschaft, den Kündigungsschutz über Ende 2028 hinaus zu verlängern. Der neue Tarifvertrag soll lediglich zwölf Monate laufen. ver.di begründet den Arbeitskampf auch mit der Bedeutung eines leistungsfähigen öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Gerade mit Blick auf die kommende Landtagswahl seien verlässliche Informationen und Orientierung wichtig, erklärte Julia Mole von ver.di.
Doch genau diese Informationen fehlten ausgerechnet während des Warnstreiks zeitweise im Radio. Am Montag und erneut am Dienstag berichteten Hörer von ausgefallenen Nachrichten und Moderationen. Der Streik selbst wurde von ver.di öffentlich kommuniziert. Vom SR waren dagegen zunächst kaum öffentlich auffindbare Informationen über Umfang und Dauer der Einschränkungen zu finden. Leser von Blaulichtreport Saarland berichteten lediglich von automatisiert beziehungsweise nach ihrem Eindruck KI-generiert klingenden Durchsagen im Radioprogramm.
Das ruft nun auch die Politik auf den Plan. Der medienpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Frank Wagner, kritisiert vor allem die Informationspolitik. Wenn Nachrichten und gewohnte Informationsangebote ausfielen, müsse der SR den Menschen erklären, warum das geschehe und wann wieder mit dem normalen Programm zu rechnen sei. Ein bloßer Hinweis auf einen Warnstreik und die Bitte um Verständnis seien aus seiner Sicht nicht ausreichend. Die Kritik der CDU ist eine politische Bewertung; der Tarifkonflikt selbst wird zwischen Gewerkschaft und Arbeitgeber ausgetragen.
Die jetzt bekannten Forderungen dürften allerdings auch die Debatte über die Bezahlung beim SR verschärfen. Laut veröffentlichtem Vergütungssystem können festangestellte Redakteure in den entsprechenden Vergütungsgruppen – abhängig von Einstufung und Berufserfahrung – bereits deutlich höhere Gehälter erreichen als viele Journalisten privater Medien. Gleichzeitig wäre es falsch, alle Streikenden als Gutverdiener darzustellen: Beim SR arbeiten neben Angestellten auch feste Freie und Honorarkräfte, deren wirtschaftliche Situation erheblich anders aussehen kann.
Hinzu kommt die finanzielle Situation des Senders. Der überwiegend über Rundfunkbeitrag und ARD-Finanzausgleich finanzierte SR hatte für 2025 ein Liquiditätsdefizit von 4,5 Millionen Euro ausgewiesen und will seine Ausgaben zwischen 2025 und 2028 deutlich reduzieren. Vor diesem Hintergrund dürfte insbesondere die Forderung nach sieben Prozent mehr Gehalt bei nur zwölf Monaten Laufzeit erklärungsbedürftig sein. Das Streikrecht steht den Beschäftigten zu – ebenso legitim ist aber die Frage der Beitragszahler, wie zusätzliche Personalkosten finanziert werden sollen.
Besonders widersprüchlich wirkt deshalb die aktuelle Situation: ver.di betont selbst, wie unverzichtbar ein starker öffentlich-rechtlicher Rundfunk für zuverlässige Nachrichten sei. Gleichzeitig sorgt der Arbeitskampf dafür, dass genau diese Nachrichten zeitweise nicht ausgestrahlt werden. Und während der SR regelmäßig über Streiks und deren Auswirkungen auf Bürger berichtet, muss er sich nun selbst die Frage gefallen lassen, wie transparent er über seine eigenen Programmausfälle informiert. Die Forderung der CDU trifft damit einen zentralen Punkt: Wer informieren soll, sollte auch dann möglichst umfassend informieren, wenn es um den eigenen Sender geht.

