
Saarbrücken: Wer zahlt für welche Wohnung – und wo fließt bislang kein Geld? Das will der Beitragsservice von ARD, ZDF und Deutschlandradio jetzt erneut herausfinden. Stichtag der bundesweiten Datenkontrolle ist Sonntag, der 8. November 2026, um 0 Uhr. Rund 73 Millionen Datensätze volljähriger Einwohner sollen geprüft werden. Auch die Meldedaten der erwachsenen Saarländer sind dabei.
Für die Bürger geht es um mögliche Nachzahlungen. Für die Rundfunkanstalten um ihre wichtigste Einnahmequelle. Und beim Saarländischen Rundfunk ist der Geldbedarf groß: Der Sender meldete für 2025 ein Liquiditätsdefizit von 4,5 Millionen Euro.
Im Saarland gab es 2025 nach ersten Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes rund 506.000 Hauptwohnsitzhaushalte. Das zeigt die Größenordnung, in der der Rundfunkbeitrag hier eine Rolle spielt. Es bedeutet allerdings weder 506.000 neue Briefe noch ebenso viele voll zahlende Beitragskonten: Abgerechnet wird nach Wohnungen, außerdem gibt es Befreiungen und Ermäßigungen.
Die entscheidende Frage bleibt bislang offen: Wie viele beitragspflichtige Wohnungen im Saarland sind tatsächlich nicht angemeldet? Eine belastbare aktuelle Saarland-Schätzung geht aus den ausgewerteten offiziellen Veröffentlichungen nicht hervor. Eine konkrete Zahl angeblicher Saar-„Nichtzahler“ wäre deshalb Spekulation.
Bundesweit rechnen die Rundfunkanstalten laut dem 25. KEF-Bericht damit, durch den Abgleich 2026 im Jahr 2027 zunächst rund 720.000 zusätzliche Wohnungen in den Beitragsbestand aufzunehmen. Allerdings erwarten sie anschließend auch rückwirkende Abmeldungen – etwa, wenn sich automatische Anmeldungen als unberechtigt herausstellen. Neue Beitragskonten sind also nicht gleichbedeutend mit überführten Zahlungsverweigerern.
Warum können Wohnungen überhaupt durchs Raster fallen? Ein typischer Fall ist die Wohngemeinschaft: Derjenige, auf dessen Namen das Beitragskonto läuft, zieht aus. Die anderen bleiben – aber niemand übernimmt die Anmeldung. Auch eine Trennung oder die Auflösung eines gemeinsamen Haushalts kann dazu führen, dass die Zuordnung nicht mehr stimmt. Der Beitragsservice nennt ausdrücklich den Auszug einer zahlenden Person als mögliche Ursache.
Die Meldeämter übermitteln ihre Daten vom 9. November bis voraussichtlich 8. Dezember. Laut Pressemitteilung sollen erste Klärungsschreiben voraussichtlich ab dem 14. Dezember verschickt werden. Ein weiterer offizieller Servicebeitrag nennt dagegen Januar 2027. Sicher ist: Der Datenstichtag am Sonntag bedeutet nicht, dass schon am Montag die Zahlungsaufforderung im Briefkasten liegt.
Wer Post bekommt, sollte antworten. Zahlt bereits jemand für die Wohnung, lässt sich das durch dessen Beitragsnummer klären. Bleiben Anschreiben und Erinnerung unbeantwortet, kann eine automatische Anmeldung folgen. Im Zuge dieses Abgleichs erfolgt eine rückwirkende Anmeldung laut Beitragsservice frühestens zum 1. Januar 2024. Bei durchgehender voller Beitragspflicht ergeben allein die 36 Monate von Januar 2024 bis Dezember 2026 rechnerisch 660,96 Euro.
Doch wie viel Geld landet beim SR? Für 2025 weist die Abrechnung des Beitragsservice dem Saarländischen Rundfunk 68.839.188 Euro Beitragserträge zu – rund 68,84 Millionen Euro, ohne den Anteil der Landesmedienanstalt. Das ist nicht sein gesamter Etat: Hinzu kommen insbesondere Mittel aus dem ARD-Finanzausgleich sowie weitere Einnahmen.
Der Betrieb auf dem Halberg kostet erheblich mehr. Im Wirtschaftsplan für 2025 kalkulierte der SR mit 143,2 Millionen Euro Aufwendungen bei 142 Millionen Euro Erträgen. Das waren Planwerte, keine abschließenden Ist-Ausgaben. Schon damals setzte der Sender auf eine Erhöhung des Monatsbeitrags von 18,36 auf die seinerzeit von der KEF empfohlenen 18,94 Euro.
Auch im September 2026 drängte die SR-Spitze auf höhere Beiträge. Rundfunkratschef Thomas Jakobs erklärte, das Sparpaket werde die Finanzierungslücke bei steigenden Kosten ohne Beitragsanhebung dauerhaft nicht verhindern. Der SR verweist zugleich auf Stellenabbau, verbesserte Abläufe und ein Maßnahmenpaket zur Ausgabenreduzierung um insgesamt 22 Millionen Euro für 2025 bis 2028.
Spardruck im Haus – stattliche Bezüge an der Spitze: Intendant Martin Grasmück erhielt 2025 Jahresbezüge von 245.000 Euro, hinzu kamen 1.801 Euro Sachbezüge. Insgesamt waren das 246.801 Euro, wie die ARD offiziell ausweist. Über die außertariflichen Vergütungen entscheiden die zuständigen Aufsichtsgremien.
Eine Rechnung macht die Dimension greifbar: Eine voll zahlende Wohnung bringt jährlich 220,32 Euro auf. Grasmücks reines Jahresgehalt entspricht damit rund 1.112 Jahresbeiträgen, einschließlich Sachbezügen sind es rund 1.120. Um die gesamte Summe vollständig abzudecken, wären 1.121 volle Jahresbeiträge nötig.
Das ist ein Größenvergleich: Der Rundfunkbeitrag wird zwischen mehreren Empfängern aufgeteilt und fließt nicht vollständig an den SR. Zusätzliche Arbeitgeber- und Versorgungsaufwendungen sind in dieser Rechnung ebenfalls nicht enthalten.
Das Intendantengehalt allein erklärt das Millionenloch des Senders nicht. Es gehört aber zur Debatte über dessen Kosten. Wer von den Bürgern mehr Geld verlangt, muss auch erklären, wie sparsam der eigene Betrieb organisiert ist – und warum die Vergütung an der Spitze angemessen sein soll.
Für Saarländer gilt nun zunächst: Post prüfen, Beitragspflicht klären, mögliche Befreiungen beantragen. Für die Verantwortlichen auf dem Halberg gilt eine andere Pflicht: nachvollziehbar darlegen, warum vorhandene Millionen nicht reichen und welche Einsparungen sie selbst verantworten.

