Apotheke hängt fremdenfeindliche Ausdrücke ins Schaufenster

Saarlouis: Eine Schaufensterdekoration in der Saarlouiser Innenstadt sorgt derzeit für Diskussionen. Auch mehrere Leser haben uns bereits auf das Thema angesprochen. Es geht um die Glocken-Apotheke in der Französischen Straße. Dort gibt es immer wieder wechselnde, meist kreative und liebevoll gestaltete Schaufensterdekorationen. In der neusten Dekoration, die mindestens seit letzten Montag dort zu finden ist, geht es um Schimpfwörter in Saarlouiser Mundart. Im Schaufenster steht ein aggressiv wirkendes Männchen mit Mundschutz und geballten Fäusten, auf einer Tafel dahinter werden verschiedene Begriffe auf Platt in Kategorien wie „Streitlustige“, „Tölpel“ oder „Nervensägen“ unterteilt vorgestellt. Doch eine dieser Kategorien stößt vielen Menschen sauer auf. Es geht um „Anders-Artige“.

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Unter dieser Gruppe finden sich Begriffe wie „Ittacker“ und „Schabeggeddifresser“ für Italiener, „Iewaan“ für Russen, „Kameeltreiwer“ für Moslems oder „Ziggeinersch“ für Sinti und Roma. Über dem Ganzen steht geschrieben, wer die Begriffe zusammengetragen hat: Edith Braun und Karin Peter. Mit der Scheibendekoration in der Apotheke haben die beiden Damen wahrscheinlich nichts zu tun, zumal Mundartautorin Edith Braun schon im Jahr 2016 verstorben ist.
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Vielmehr stammen die Begriffe wohl aus dem Buch der beiden „Saarlouiser Mundart“, was 1999 erschienen ist. Dort hat die Aufzählung der fremdenfeindlichen Schimpfwörter auch ihre Berechtigung, denn die beiden Autorinnen haben in dem Buch nur das aufgeschrieben, was man im Saarlouiser Raum eben spricht oder gesprochen hat. Auf dem Schaufenster der Apotheke ist das allerdings was ganz anderes.
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Der Saarlouiser Integrationsbeirat etwa teilt mit: „Als Integrationsbeirat der Kreisstadt Saarlouis sind wir fassungslos über den Begriff „Anders-Artige“, wo Menschen mit Migrationshintergrund auf Saarlouiser Platt genannt werden oder wurden. Der Integrationsbeirat ist enttäuscht, dass ein Betrieb in einer Europastadt sich solcher ausländerfeindlicher Begriffe bedient.“ Nachdem Mitglieder des Beitrags der Apotheke heute Morgen einen Besuch abgestattet haben, wurde die Tafel umgehend entfernt.

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