
Saarbrücken: „Auch wenn ich mit Aiwanger nie einer Meinung war: So ein Ende hat niemand verdient.“ Mit diesen Worten beginnt ein Beitrag, der nach dem Tod des bayerischen Wirtschaftsministers und Freie-Wähler-Vorsitzenden Hubert Aiwanger auf X kursierte.
Was zunächst wie eine Beileidsbekundung klingt, geht in eine drastische Behauptung über. Aiwanger sei „besoffen kopfüber im vollen Dixi-Klo gelandet und in Fäkalien erstickt“. Sein Leben sei „schon tragisch und absurd genug“ gewesen, heißt es weiter. Es hätte „nicht auch noch so enden müssen“. Der Beitrag endet mit „Ruhe in Frieden, kleiner Prinz“ und einem Kerzen-Emoji. Darunter ist ein Schwarz-Weiß-Foto zu sehen, das Aiwanger an zwei Mikrofonen zeigt.
Über dem Text stehen der Name „linksjugend solid saarland“ und ein rotes Logo mit dem Zusatz „Saarland“. Wer den Beitrag sieht, kann deshalb zunächst annehmen, er stamme vom saarländischen Jugendverband der Linken. Der genauere Blick auf das X-Profil zeigt jedoch den Nutzernamen @linkjugendsolid und direkt darunter den Hinweis „Parodie-Account“.
Die Linksjugend Saar stellte auf ihrem Instagram-Kanal @linksjugend_saar klar, dass es sich um ein fremdes Profil handelt. „Das ist nicht der Account der Linksjugend Saar“, schrieb sie in einer Story. Der Verband erklärte außerdem, Mitglieder aus anderen Landesverbänden betrieben den Account, um der saarländischen Linksjugend zu schaden. Wer das Profil tatsächlich betreibt, geht aus den vorliegenden Screenshots nicht hervor.
Auch die Satirepartei Die PARTEI machte Aiwangers Tod zum Gegenstand eines Beitrags. Ihre Grafik zeigt ein Schwarz-Weiß-Porträt mit der Überschrift „Aiwanger doch nicht tot!“. Darunter steht ein erfundenes Zitat auf Bairisch. Aiwanger lebe noch, die Berichte seien falsch, und es sei „scho wieda bloß mei Bruada“ gewesen. Einem Medienbericht zufolge erschien die Grafik auf dem verifizierten Instagram-Konto der Partei. Eine Veröffentlichung durch den saarländischen Landesverband geht aus dem vorliegenden Material jedoch ebenfalls nicht hervor.
Die Anspielung auf den Bruder bezieht sich auf die Flugblatt-Affäre im bayerischen Landtagswahlkampf 2023. Damals wurde ein antisemitisches Flugblatt aus Aiwangers Schulzeit öffentlich bekannt. Aiwanger, zu diesem Zeitpunkt bereits Wirtschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident, bestritt die Urheberschaft. Er räumte ein, dass ein oder mehrere Exemplare in seiner Schultasche gefunden worden waren. Sein älterer Bruder erklärte, er habe das Flugblatt verfasst. Ministerpräsident Markus Söder hielt nach der Beantwortung eines Fragenkatalogs an seinem Stellvertreter fest.
Aiwanger wurde am Mittwochabend, 4. November, im Alter von 55 Jahren tot in seinem Hotelzimmer in Berlin-Mitte gefunden. Laut Berliner Staatsanwaltschaft ergab die vorläufige Obduktion keine Hinweise auf Fremdverschulden. Die genaue Todesursache stand zunächst noch aus.

