Saarlouis: Nach dem schweren Betriebsunfall am gestrigen Dienstag (wir berichteten mehrfach) schweben zwei Arbeiter noch immer in Lebensgefahr. Ein 57 Jahre alter Arbeiter sowie eine 59 Jahre alte Mitarbeiterin des Entsorgungsunternehmens waren mit der Chemikalie in Kontakt gekommen und schwer verletzt worden.
Nach mehr als einer Stunde Notfallbehandlung vor Ort waren sie mit ADAC-Hubschrauber Christoph 16 und dem Luxemburger Rettungsheli Air Rescue 3 zum Winterberg nach Saarbrücken, beziehungsweise in die Uniklinik nach Homburg geflogen worden. Dort kämpften die Ärzte die ganze Nacht hindurch um das Leben der beiden Schwerverletzten. Auch aktuell schweben die zwei noch in Lebensgefahr.
Wie das Innenministerium des Saarlandes mitteilte, sind auch acht weitere Personen bei dem Chemieunglück verletzt worden. Die Polizei hatte das zuvor noch verschwiegen und sprach lediglich von zwei Verletzten. Der Vorfall hatte einen Großeinsatz für den Rettungsdienst und die Freiwillige Feuerwehr ausgelöst, die Hilfskräfte waren stundenlang vor Ort. Eine Warnung über Katastrophenschutz-Apps informierte die Bevölkerung über eine Geruchsbelästigung.
Eine Gefahr bestand außerhalb des Betriebsgeländes in der Industriestraße nicht. Unter anderem das Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz ermittelt nun, wie es zu dem Austritt des Gefahrstoffs kommen konnte. Das nach faulen Eiern riechende Gas ist hochgiftig. Das Tückische: In hohen Konzentrationen betäubt der Stoff die Geruchsrezeptoren in der Nase, sodass man die Gefahr nicht mehr rechtzeitig wahrnimmt.
Bei hohen Konzentrationen tritt schon durch einen oder wenige Atemzüge Bewusstlosigkeit ein. Immer wieder kommt es so zu schweren Unglücksfällen, oft auch mit Todesopfern. Zuletzt waren im April im hessischen Runkel fünf Mitarbeiter einer Lederfabrik bei einem Chemieunglück ums Leben gekommen. Auch hier wurde Schwefelwasserstoff als die Ursache ermittelt.

