Trier: Spaziergänger im Nells Park in der Nähe des Moselufers in Trier-Nord machen am Wochenende eine schockierende Entdeckung. Am Samstagabend gegen 2120 Uhr hören sie ein Wimmern aus einem Gebüsch und finden beim Nachsehen einen Säugling vor, mutterseelenallein. Die Zeugen wählen den Notruf und alarmieren Polizei und Rettungsdienst. Außerdem versorgen sie den kleinen neugeborenen Jungen bis zum Eintreffen der Einsatzkräfte.
Die Zeugen berichten, dass sie kurze Zeit vor der Entdeckung des Babys eine verdächtige junge Frau ganz in der Nähe beobachtet haben. Die Polizei leitet umgehend eine sogenannte Nahbereichsfahndung ein. Mithilfe der von den Zeugen abgegebenen Beschreibung können die Einsatzkräfte die junge Frau schnell in der Umgebung des Parks ausfindig machen. Es handelte sich um eine 21 Jahre alte Heranwachsende und, wie sich bald herausstellt, um die Mutter des erst drei Tage zuvor geborenen Säuglings.
Das Kind wird zunächst zur Untersuchung und Versorgung in ein Krankenhaus verbracht. Dort stellen die Ärzte fest, dass der kleine Junge wohlauf ist. Seine Mutter bekommt das Baby jedoch nicht zurück, der Säugling wird durch das Jugendamt in Obhut genommen. Stattdessen wird die Frau festgenommen und am Folgetag einem Ermittlungsrichter am Amtsgericht Trier vorgeführt. Bei dem Gerichtstermin fordert die Staatsanwaltschaft Trier, einen Haftbefehl gegen die 21-Jährige wegen des Verdachts der versuchten Aussetzung in Tateinheit mit versuchtem Totschlag zu verhängen.
Denn wäre das Kind nicht so schnell aufgefunden worden, wäre es möglicherweise gestorben. Dem stimmt der Richter zu. Die Frau befindet sich nun in einer Justizvollzugsanstalt, die Ermittlungen dauern an. Ob ein Kindsvater bekannt ist und ob er seinen Sohn zubekommen wird, berichtet die Polizei nicht. Der Straftatbestand der Aussetzung wird nur sehr selten begangen und kann eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren nach sich ziehen. Für versuchten Totschlag drohen noch härtere Strafen.
