Edeka Lonsdorfer misst seinen Kunden Fieber und führt medizinische Gespräche

Saarbrücken: Der Edeka-Markt Lonsdorfer in der Mainzer Straße misst bei allen Kunden, die das Geschäft betreten, die Körpertemperatur. Wenn ein Kunde erhöhte Temperatur aufweist, kommt ein Mitarbeiter und fordert die Person auf, den Laden zu verlassen. Zuerst hatte die Luxemburger Zeitung „L’Essentiel“ über den Fall berichtet. Demnach hat das Saarbrücker Security-Unternehmen Matec Sicherheitssysteme offenbar schon am 3. April die Anlage am Eingang des Marktes installiert. Dort hängt an der Decke ein Gerät, das Gesichtsaufnahmen des Kunden macht und außerdem in der Lage ist, die Körperwärme der fotografierten Person zu messen. Ein Mitarbeiter kann auf einem Display dann das Ergebnis der Messung neben dem Gesicht der Person sehen. Kunden mit erhöhter Temperatur müssen zum Gespräch antreten. Wer nicht schlüssig erklären kann, dass er kein Corona hat, muss den Laden danach verlassen.

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Erst, wenn das Personal das Okay gibt, dürfen Kunden den Markt betreten. Der Edeka-Markt Lonsdorfer greift mit dem System tief in das Persönlichkeitsrecht seiner Kunden ein. Dabei ist der Nutzen äußerst fraglich:
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Nur etwa 60 Prozent aller Corona-Erkrankten entwickeln überhaupt Fieber. Nach Angaben von L’Essentiel, das sich auf Augenzeugen beruft, erfahren Kunden erst nach Aktivwerden der Anlage von der Messung. Ob sichergestellt ist, dass nicht Fremde einen Blick auf den Monitor des Mitarbeiters werfen können, ist uns nicht bekannt.
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Ein Mitarbeiter des Unabhängigen Datenschutzzentrums im Saarland hat L’Essentiel gegenüber erklärt, dass seiner Einschätzung nach das Vorgehen des Supermarktes gegen den Datenschutz verstößt: „Während die rechtlichen Hürden für eine normale Überwachungskamera noch relativ niedrig sind, sind sie bei besonders schützenswerten Daten – wie Gesundheitsdaten in diesem Fall – umso höher.“Die Datenschutzbehörde hat ein Verfahren eingeleitet.

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