30 Anklagepunkte: Wollte ER einen Mann mit seinem Wagen totfahren?

Saarbrücken: Die Liste an Vorwürfen, die einem jungen Mann aus St. Ingbert vorgeworfen wird, ist unglaublich lang. Mehr als 20 Minuten lang verliest die Staatsanwältin am heutigen Mittwoch insgesamt zwölf Seiten lang Anklagen. Dem 20-jährigen Deutschen, der seit vergangenen Juli in Untersuchungshaft sitzt, werden 30 Taten zur Last gelegt. Die schwerste davon: versuchter Totschlag. Der vorsitzende Richter: „Es kommt aber auch eine Verurteilung wegen versuchten Mordes in Betracht.“

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Der Tathergang laut Staatsanwaltschaft: Im Juli 2020 ist der Heranwachsende mit einem Kumpel in Kleinblittersdorf unterwegs. Am Bahnhof will sein Kollege einer Gruppe von jungen Leuten Drogen verkaufen. Dabei klaut jemand aus der Gruppe Marihuana aus dem Auto des Angeklagten. Der dreht durch, verfolgt die Gruppe mit seinem Wagen und erfasst einen der jungen Männer auf dem Gehweg. Das Opfer wird acht Meter weit durch die Luft geschleudert, schwer verletzt. Kurzzeitig sieht es so aus, als wolle der St. Ingberter mit seinem Ford Focus nochmal über das auf dem Boden liegende Opfer fahren. Doch ein Freund des Verletzten zieht ihn von der Straße. Daraufhin flüchtet der Focus nach Frankreich.
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Soweit die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft, die die Anklagebehörde im Laufe des Verfahrens beweisen will. Weitere Anklagepunkte: zahlreiche Fälle von Tankbetrug, unerlaubtes Führen von Schusswaffen, mehrere Fälle von nie gelieferten Elektronikartikeln auf Ebay und Ebay Kleinanzeigen, Fahren ohne Führerschein. Eine ihm unbekannte Autofahrerin soll er mit seinem Wagen absichtlich in einen Unfall verwickelt haben. Einem Bekannten („nervig und dumm“) hat er laut Anklage eine Zigarette auf der Hand ausgedrückt, weil der seinen Arm um eine junge Frau gelegt hatte.
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Seinen WG-Mitbewohnern soll er Bargeld und eine EC-Karte geklaut haben, mit der er dann weiteres Bargeld abhob. Schaden: mehr als 8.000 Euro. Einem Autofahrer soll er aus Wut gegen den Wagen getreten haben, mehr als 1.000 Euro Schaden. Einen Polizeibeamten habe er laut Staatsanwaltschaft nach einem Tempo-Verstoß zugerufen: „Verpiss dich, du scheiß Pisser“.
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Und dann war da noch der Vorfall, bei dem er mit einem Autohaus eine Probefahrt mit einem Golf GTI vereinbarte. Die roten Kennzeichen soll der Angeklagte kurze Zeit später abmontiert und die seines eigenen Wagens angeschraubt haben, um vor seinen Freunden mit seinem „neuen Auto“ zu protzen. Das Auto wurde später mit Kupplungsschaden auf einem Lidl-Parkplatz aufgefunden. Bislang ist unklar, ob sich der junge Mann zu den Vorwürfen äußern wird. Prozess wird fortgesetzt.

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