Aus dem Saarland stammende Auschwitz-Überlebende und Aktivistin Esther Bejarano verstorben

Hamburg: Mit 96 Jahren ist am heutigen Samstag die aus dem Saarland stammende Auschwitz-Überlebende Esther Bejarano gestorben. Die Wahl-Hamburgerin hat sich bis ins hohe Alter gegen Rassismus engagiert und vor allem Schülern von den Gräueltaten des Dritten Reichs berichtet. 1924 wird die Jüdin als Esther Loewy in Saarlouis geboren. Ihr Vater, der dort Kantor und Lehrer ist, zieht schon im folgenden Jahr mit seiner Familie nach Saarbrücken, um dort eine Stelle als Oberkantor anzunehmen.

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Das Saargebiet gehört damals nicht zum Deutschen Reich, sondern steht unter der Verwaltung des Völkerbunds. Ihr Vater ist es auch, der früh das Interesse des Mädchens für Musik weckt. Sie erlernt das Klavierspielen, was ihr später im Konzentrationslager das Leben retten wird. Nachdem das Saargebiet 1935 nach der Saarabstimmung wieder ins Deutsche Reich zurückkehrt, wird das Leben für Juden dort immer schwerer.
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1936 zieht Esther mit ihrer Familie nach Ulm um, wo der Vater eine neue Stelle als Kantor findet. Nach der Reichspogromnacht 1938 wird ihr Vater ins polnische Breslau versetzt, Esther Loewy kommt mit etwa 16 Jahren nach Berlin. Dort besucht sie unter anderem ein Vorbereitungslager für eine Auswanderung nach Palästina, wohin bereits ihre älteste Schwester ausgewandert ist.
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Doch der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs verhindert eine ausreise der Jugendlichen. Loewy kommt als Zwangsarbeiterin ins brandenburgische Neuendorf. 1941 werden ihre Eltern im litauischen Kaunas von den Nazis ermordet. 1943 wird Loewy in ein Berliner Sammellager und von dort am 20. April 1943 nach Auschwitz deportiert. Man tätowiert ihr die Häftlingsnummer 41948 ein. Dort kommt sie dank ihrer musikalischen Fähigkeiten in das Mädchenorchester des KZs.
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Weil es kein Klavier gibt, lernt und spielt sie Akkordeon. Durch ihre Tätigkeit im Orchester bleibt sie von Zwangsarbeit verschont. Nach einem halben Jahr wird Loewy ins KZ Ravensbrück verlegt, überlebt den Krieg. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD): „Wir verlieren mit ihr eine mutige Persönlichkeit, die sich bis zuletzt für die Verfolgten des Naziregimes eingesetzt hat.“

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