Vom „Patient Null“ bis heute: Die Chronik der Corona-Krise im Saarland

Saarbrücken: In den vergangenen Tagen und Wochen ist viel passiert. Wir haben die Entwicklung für euch zusammengefasst. Diese Seite wird ständig aktualisiert

26. Februar: Die Corona-Krise erreicht die Region. Ein Zug, der von Frankfurt ins Saarland unterwegs ist, wird kurz vor der Grenze in Idar-Oberstein gestoppt und unter Quarantäne gestellt. Grund ist ein Corona-Verdachtsfall bei einem Passagier. Der Italiener wird in ein Krankenhaus gebracht, der Verdacht bestätigt sich dort jedoch nicht. Alle Passagiere müssen ihre Personalien angeben, dann darf der Zug weiter ins Saarland fahren.

27. Februar: Im rheinland-pfälzischen Kaiserslautern gibt es den ersten bestätigten Corona-Fall in der Region. Der betroffene Mann ist 32 Jahre alt und stammt aus dem Iran. Das Saar-Gesundheitsministerium übernimmt die zentrale Koordination der Corona-Maßnahmen im Saarland und richtet einen Krisenstab ein. Im Labor des Universitätsklinikums des Saarlandes in Homburg sind bisher 30 Verdachtsfälle untersucht worden – alle waren negativ.

28. Februar: Ab sofort können sich Bürger bei einer Telefon-Hotline und einer Website informieren. Gesundheitsministerin Monika Bachmann: „Wir haben Verständnis für das große Informationsbedürfnis der Menschen. Da die Flut an Meldungen sowie teilweise bewusste Falschinformationen in den sozialen Netzwerken zu Verunsicherungen führen, haben wir die Hotline beim Gesundheitsministerium eingerichtet.“

1. März: Gesundheitsministerium, Ärztekammer, die Kassenärztliche Vereinigung und die Saarländische Krankenhausgesellschaft weisen auf die richtigen Verhaltensregeln bei Corona-Verdacht hin. Patienten sollen zuhause bleiben und das weitere Verhalten telefonisch mit der Arztpraxis oder mit dem Gesundheitsamt abklären. Der Arzt entscheidet dann, ob es nötig ist, einen Corona-Test zu veranlassen. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten.

2. März: Zusätzlich zur zentralen Bevorratung durch den Bund beschließt der Saar-Krisenstab, weitere Schutzkleidung für das Saarland zu ordern. Gesundheits-Staatssekretär Stephan Kolling: „Indem wir zusätzliche Schutzkleidung zentral für das Saarland bevorraten, sind wir für alle Problemstellungen vorbereitet.“ Die Verantwortlichen der saarländischen Landesregierung aktualisieren den bisherigen Pandemieplan.

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3. März: Im Saarland liegt der erste bestätigte Fall einer Infizierung mit dem Corona-Virus vor. Bei dem Infizierten handelt es sich um einen 50-jährigen Arzt aus dem Saarpfalz-Kreis, der an der Kinderklinik der Uniklinik in Homburg arbeitet. Der saarländische „Patient Null“ hat sich vermutlich auf einem Ärztekongress in Frankfurt bei einem Kollegen angesteckt. Das Gesundheitsamt beginnt, alle Personen zu ermitteln, die mit dem Arzt Kontakt hatten. Ein Mann aus Frankreich mit Corona-Verdacht, der bei SAP in St. Ingbert arbeitet, ist in Quarantäne.

4. März: Fast 30 Kontaktpersonen des infizierten Homburger Arztes sind auf das Corona-Virus getestet worden. Darunter zählen die Familienangehörigen, Kollegen des Mannes und Patienten. Alle sind negativ. Der betroffene Arzt im Saarland befindet sich in guter gesundheitlicher Verfassung. Der Betrieb in der Homburger Kinderklinik läuft mit hohen Schutzmaßnahmen weiter.

6. März: Der Corona-Verdachtsfall aus Frankreich wird bestätigt. Den positiven Test hat der SAP-Mitarbeiter bei einem französischen Arzt gemacht. Das Unternehmen sperrt sein Bürogebäude für eine Desinfektion. Die Behörden beidseits der Grenze suchen nach Kontaktpersonen des Mannes. Am selben Tag wird eine 65-Jährige aus dem Regionalverband Saarbrücken positiv getestet, die mit einer Infizierten in Frankreich Kontakt hatte. Nach Isolation in einer Saar-Klinik kommt die 65-Jährige aufgrund ihres guten Gesundheitszustands zuhause in Quarantäne.

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7. März: Die Behörden bestätigen einen vierten Corona-Fall. Es handelt es sich um einen Mann aus dem Saarpfalz-Kreis, der nach Informationen des zuständigen Gesundheitsamts Kontakt mit dem erkrankten SAP-Mitarbeiter hatte.

9. März: Die Zahl der bestätigten Corona-Fälle steigt auf fünf. Auch beim neusten Fall, diesmal aus dem Landkreis Merzig-Wadern, geht es um einen Mann, der laut Informationen des zuständigen Gesundheitsamtes Kontakt zum infizierten SAP-Mitarbeiter in St. Ingbert hatte. Mehrere Krankenhäuser begrenzen ihre Besuchszeiten.

10. März: Zwei weitere Corona-Bestätigungen im Saarland. Bei den jüngsten Fällen handelt es sich um einen Mann aus dem Landkreis Neunkirchen und um einen Mann aus dem Landkreis Saarlouis, die sich beide laut Informationen des jeweils zuständigen Gesundheitsamts vermutlich im Urlaub in Südtirol und in Frankreich infiziert haben. Im Saarland kommt es vermehrt zu Hamsterkäufen, Hygieneartikel wie Desinfektionsmittel und Toilettenpapier sowie Lebensmittel wie Mehl und Konserven sind vielerorts ausverkauft. Erste Veranstaltungen werden abgesagt.

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11. März: Die Zahl der erkrankten Personen steigt auf 14. Nach vier Fällen im Regionalverband Saarbrücken werden das Theodor-Heuss-Gymnasium in Sulzbach und die Ganztagsgrundschule Rodenhof geschlossen. Schüler und Beschäftigte befinden sich in häuslicher Quarantäne. Das Gesundheitsministerium verbietet Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern. Das Robert-Koch-Institut erklärt die französische Region Grand Est, die ans Saarland grenzt, zum Risikogebiet.

12. März: Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger stellt einen Zehn-Punkte-Plan für die Saar-Wirtschaft vor. Zu den Maßnahmen zählen auch schnell verfügbare Liquiditätshilfen und Bürgschaften für Unternehmen mit Corona-bedingten Schwierigkeiten. Seit dem Abend gibt es Grenzkontrollen bei der Einreise, Ausländer mit Corona-Anzeichen müssen umdrehen. Kinder und Lehrer, die in Risikogebieten waren, dürfen nicht mehr zur Schule. Das Staatstheater in Saarbrücken stellt den Spielbetrieb ein.

13. März: Die Zahl der positiv getesteten Personen steigt landesweit auf 35. Noch ist die Infektionskette in allen Fällen nachvollziehbar. Die katholischen Kirchen im Saarland feiern keine öffentlichen Gottesdienste mehr, die Erstkommunionen werden abgesagt. Mehrere Tafeln schließen ihre Pforten. In Bussen kann man nicht mehr vorn einsteigen und Fahrscheine kaufen. Die Ausländerbehörden in Saarbrücken und Lebach werden für Publikumsverkehr geschlossen. In Luxemburg gibt es den ersten Corona-Toten. Die ersten Spieltage in der Regionalliga Südwest werden abgesagt.

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14. März: Viele Einrichtungen sind ab sofort geschlossen. Das betrifft Schwimmbäder, Indoor-Spielanlagen, Discos, Bars, Clubs und das Prostitutionsgewerbe. Shisha-Bars bleiben geöffnet. Kinos und Einrichtungen wie Altenheime können nur noch beschränkt und unter Hygieneauflagen besucht werden. Die Regierung ruft zum Blutspenden auf. Viele saarländische Blutspendedienste stellen eine spürbar gesunkene Spendenbereitschaft in der Bevölkerung fest.

15. März: Die Zahl der positiv getesteten Personen steigt landesweit auf 74. Es gibt einen Fall beim Personal im St. Wendeler Marienkrankenhaus. Der betroffene Mitarbeiter machte Urlaub in einem Gebiet, das nach seiner Rückkehr als Risikogebiet eingestuft wurde. Alle Mitarbeiter, die mit der Person Kontakt hatten, tragen nun im Dienst Schutzmasken. Das Tierheim Linxbachhof in St. Wendel, das Bertha-Bruch-Tierheim in Saarbrücken und das Hedwig-Trampert-Tierheim in Dillingen schließen ihre Pforten für Besucher.

16. März: Die Zahl der positiv getesteten Personen steigt landesweit auf 85. Alle Schulen und Kitas sind geschlossen, es gibt einen Notbetrieb. Die Grenzen zu Frankreich und Luxemburg sollen bis auf Berufspendler für Ausländer eigentlich geschlossen werden, es gibt aber große Lücken im System. Der grenzüberschreitende Bus- und Bahnverkehr nach Frankreich, der Schulbusverkehr und der saarländische Nachtbusverkehr werden eingestellt. Es gilt der Samstagsfahrplan oder der Ferienfahrplan.

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17. März: Die Zahl der positiv getesteten Personen steigt landesweit auf 101. In Neunkirchen öffnet am Rathaus ein Corona-Testzentrum. Die Einrichtung hält dem riesigen Ansturm nicht Stand und muss nach kurzer Zeit wieder schließen. Im benachbarten Frankreich gilt ab sofort eine Ausgangssperre. Besuche in saarländischen Gefängnissen sind ab sofort verboten. Die Saar-Polizei teilt mit: „Auch wenn in Zeiten von Corona die Straßen derzeit relativ frei sind, ist dies kein Freibrief für Raserei.“

18. März: Die Zahl der positiv getesteten Personen steigt landesweit auf 169. Veranstaltungen sind ab sofort verboten. Sportheime, Sportplätze, Spielplätze, Zoos, Tanzschulen, Messen und Wettannahmestellen sind geschlossen. Die Öffnung von Ladengeschäften wird bis auf wenige Ausnahmen untersagt. Erlaubt bleiben unter anderem Lebensmittelmärkte, Apotheken und Drogerien. Die Öffnungszeiten werden ausgeweitet, die Saar-Wirtschaft bleibt aber bei den bisherigen Zeiten. Für Restaurants gibt es Abstandsregelungen für Tische und Beschränkungen der Bewirtungszeiten. Finanzminister Peter Strobel führt Steuererleichterungen für Unternehmen ein. Zwei neue Corona-Testzentren öffnen in St. Ingbert und Dillingen.

19. März: Die Zahl der positiv getesteten Personen steigt landesweit auf 217. Ab sofort ruht die Produktion bei Ford in Saarlouis. Das „Ferien Open Air“ in St. Wendel wird abgesagt. Der Merziger Valdrin Mustafa ist der erste saarländische Profisportler, der am Coronavirus erkrankt ist. Er befindet sich mit seinen Eltern und seinen drei Brüdern in häuslicher Quarantäne.

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20. März: Die Zahl der positiv getesteten Personen steigt landesweit auf 255. Das Gesundheitsministerium ruft ehemalige Ärzte und Pflegekräfte auf, im Gesundheitswesen mitzuhelfen. Bei der Saar-Polizei gibt es neun Corona-Infizierte, 107 Beamte befinden sich in häuslicher Quarantäne. Ab 18 Uhr wird die Bewirtung in Restaurants komplett verboten, erlaubt sind nur noch Abholung und Lieferservice. 16 kleinere Grenzübergänge nach Frankreich mit Sperren dicht gemacht. Villeroy und Boch stellt die Produktion ein.

21. März: Die Zahl der positiv getesteten Personen steigt landesweit auf 285. Am Abend wird der erste saarländische Corona-Tote bestätigt. Im Universitätsklinikum in Homburg ist ein infizierter älterer Mann gestorben, der bereits eine Vorerkrankung hatte. Seit Mitternacht darf man ohne triftigen Grund das Haus nicht mehr verlassen. Die Polizei muss in der Nacht in 25 Fällen Ansammlungen auflösen. Das Marienkrankenhaus in St. Wendel, das Evangelische Krankenhaus in Saarbrücken und das Diakonie-Krankenhaus in Neunkirchen nehmen bis auf akute Notfälle keine Patienten mehr auf. Grund ist eine Vielzahl von Corona-Infektionen beim Personal.

22. März: Die Zahl der positiv getesteten Personen steigt landesweit auf 318. Ab sofort gilt in ganz Deutschland ein Kontaktverbot. Bis auf wenige Ausnahmen darf man sich in der Öffentlichkeit nur noch alleine oder zu zweit aufhalten. Das Saarland bietet der französischen Region Grand Est an, französische Erkrankte in Saar-Kliniken aufzunehmen. In Saarbrücken darf die Organisation Ingos Kleine Kältehilfe Obdachlosen und Bedürftigen dank einer Sondergenehmigung wieder eine Mahlzeit anbieten.

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23. März: Der Zugfahrplan im Saarland wird ausgedünnt. Die Niedtalbahn wird nur noch von einem Schienenersatzverkehr per Bus bedient, auf allen übrigen Strecken gibt es mit kleinen Einschränkungen nur noch stündliche Verbindungen. Soweit betrieblich möglich, fahren die Züge mit möglichst hoher Kapazität an Sitzplätzen, so dass ein angemessener Sitzabstand zwischen den Fahrgästen möglich wird. ZF in Saarbrücken stoppt die Produktion.

24. März: In Saarlouis soll auf dem Gelände der Ford-Werke das erste Drive-In-Testzentrum im Saarland öffnen. Ab heute können von den Corona-Folgen getroffene Unternehmen und Unternehmer im Rahmen eines Soforthilfeprogramms für Kleinunternehmer finanzielle Hilfen beantragen. Dafür stellt das Land bis zu 30 Millionen Euro sofort zur Verfügung.

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